ROADTRIPPING ISLAND

ROADTRIPPING ISLAND

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Im Januar 2013, an einem Wochenende waren Michael, mein Kollege und ich, Renato wieder einmal übers Reisen am Träumen. Irgendwann im verlaufe des Tages stiessen wir dann auf die Fähren, welche Dänemark und Island verbinden. Kurzerhand kauften wir uns übers Internet zwei Tickets, von Dänemark nach Island retour. Dies war der Start unserer Islandreise, in diesem Moment wurde uns klar, im Sommer werden wir nach Island gehen…

Beginn der Reise war dann der 30. Mai, als wir per Zug nach Dänemark starteten.Gut fünf Tagen später erreichten wir, nach einer sehr ruhigen Schifffahrt, wohlbehalten Island.In den ersten 10 Tagen auf „unserer“ Insel wurden wir mit phänomenalem Wetter verwöhnt. Nahezu ohne Wind und ohne jeglichen Regen konnten wir uns perfekt an die neue Umgebung gewöhnen. Die grösste Umstellung war sicherlich die andauernde Helligkeit, da Island nahezu am Polarkreis liegt. Doch die Helligkeit wurde schnell zu unserem Freund, ausser wir schliefen im Zelt und mussten es um 3 Uhr morgens öffnen, da es viel zu warm im sonnenaufgewärmten Zelt wurde.Nach diesen Tagen löste der Regen das gute Wetter ab und wir wurden der ersten Nässeprüfung unterzogen.

Schnell merkte ich, dass meine Regenhose nur für eine Stunde dicht war, doch alles Suchen in Outdoorgeschäften half nichts, sodass ich die gesamte Reise mit einer kaum dichten Hosedurchnässt wurde, an vieles kann man sich gewöhnen, doch solche Umstände sind jeden Regentag unangenehm.Wir kamen in Seydisfijördur mit der Fähre an und begannen die Insel im Uhrzeigersinn zu umrunden. So fuhren wir zuerst durch die Ostfjorde, welche etwas vom gemütlichsten, schönsten und idyllischsten von ganz Island sind. Viele kleine Dörfer wechseln sich mit einzelnen Bauernhöfen und einsam umherziehenden Schafen ab.

Schon an unserem ersten Tage in Island sahen wir in einem Fjord einen Wal seine Runden, Wasserwolken prustend, ziehen. Daher brauchten wir gar kein organisiertes „Wale- Watching“ mehr. Denn wenn man wie wir mit dem Fahrrad langsam ein Land bereist, sieht man dermassen viel mehr, wie wenn man mit dem Auto schnell in einer Woche Island umrundet. Dies entwickelte sich so weit, dass wir mit der Zeit nicht einmal mehr ein Bedürfnis hatten die bekanntesten Orte zu sehen, sondern im Gegenteil, eine regelrechte Abneigung gegen die „Touristen-Sights“ entwickelten. Wir begannen an diesen Orten vorbeizufahren und Orte, die uns in irgendeiner Weise faszinierten, zu erkunden. Es ergaben sich zufällige Begegnungen, traumhafte Naturerlebnisse und unsere Reise wurde dadurch sehr stark geformt.

Nach den Ostfjorden kamen wir in den Süden Islands mit seinen gewaltigen Gletschern, hohen Bergen und endlosen Ebenen. Die von einer Eisdecke eingepackten Berge sahen, obwohl sie nur gute 2000 Meter hoch sind, wie die Berggiganten im Himalaya aus. Diese riesigen Gletscherabbrüche kennt man in der Schweiz gar nicht, sie gehören einer anderen Dimension von Eisansammlungen an. Doch wenn man bedenkt, dass wir an den höchsten Bergen Islands vorbei fuhren, gestaltete sich unserer Weg alles andere als Hügelig, er wurde von Tag zu Tag flacher und gipfelte sich in einem ca. 50Km langen Strassenabschnitt geradeaus. Dies war für uns eine ganz neue Erfahrung, denn es ist im Kopfe schon recht gewöhnungsbedürftig einer Strasse entlang zu fahren, welche sich in der Ferne verliert. Nach diesen schönen Erlebnissen im Süden erreichten wir Reykjavik, die grösste Stadt Islands mit knapp zweihunderttausend Einwohnern. Doch lange hieltenwir es in Reykjavik nicht aus, den Kulturschock von purer Natur und einer pulsierenden Stadt ertrugen wir nur für die Buchung unserer Rückfahrt von Dänemark in die Schweiz.

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Es zog uns wieder auf die Strasse und in die Natur zurück. Es folgte eine sehr ruhige Zeit durch den Westen biswir dann die Westfjorde zu erkunden begannen. Dies war wohl eine der intensivsten Erfahrungen, die wir auf zwei Rädern erlebten. Denn erstens ist das Wetter in Island im allgemeinen schon recht unberechenbar, doch in den Westfjorden war es eine neue Liga von Wechselhaftigkeit, so dass wir pro Tag bis zu fünf mal verregnet wurden.

Weiter ist die Besiedlung sehr dünn, dadurch mussten wir meist für mehrere Tage Nahrung mit uns nehmen, welches einiges an Mehrgewicht an unseren Fahrrädern bewirkte. Doch die Gegend entschädigte alles Leiden mehrfach, sodass es einer der am stärksten in der Erinnerung bleibenden Abschnitte der Reise wurde.

In den Westfjorden gibt es einen Landzipfel, welcher bekannt ist die grössten Papageientaucherkolonien Islands zu beherbergen. Wir waren der Überzeugung, dass wir auf den Inselzipfel hinausfahren werden, doch bei der Abzweigung fragten wir ein paar Touristen ob sie Papageientaucher gesehen haben, als da aber eine verneinende Antwort kam, war es für uns klar, dass wir diesen Umweg auslassen werden. Eine Woche später aber als ich am Wegesrand ein Fahrrad sah und mir sicher war, dass dies ein Schweizer Fahrradrahmen ist, wurden wir neugierig und gingen die Besitzer suchen. Diese waren nicht weit entfernt und erklärten uns, was es mit diesem Ort auf sich hatte; es befand sich eine riesige Kolonie Papageientaucher an den Klippen.

So sahen wir nicht nur ein paar dieser Vögel, sondern gleich eine ganze Kolonie direkt neben der Strasse.Die Tierwelt Islands möchte ich an dieser Stelle etwas erläutern, neben Schafen, Ziegen, Kühen undanderen Nutztieren, beleben Island tausende Vögel, ein paar Reentiere, Polarfüchse als grösste Raubtiere auf dem Lande, Seerobben und andere Meerestiere. Sehr faszinierend ist eben, dass die Schafe und Ziegen das Land sehr frei, beinahe in freier Lebensart bewohnen, das heisst gehalten werden. Doch daneben existiert noch so viel Natur, dass sich alle Tiere bequem bewegen können, ohne sich unfreiwillig den Platz zu teilen müssen.Unsere Reise ging weiter der Nordküste entlang, welche uns nochmals das ganze Spektrum an Wetter, Schotterpisten, Einsamkeit und Sonnenuntergängen bot, wie um uns auf den Abschied von unserer lieb gewonnenen Insel vorzubereiten.

Doch bevor wir von Island verschwanden, durften wirnoch eine Erfahrung machen, die uns an unsere körperlichen Grenzen brachte. Es stand noch ein 700 Meter hoher Schotterstrassenpass mit massiven Steigungen im Wege. Ich habe selten erlebt, dass ich mit einem gut beladenen Tourenfahrrad im ersten Gang und bei sitzender Fahrweise, grösste Probleme hatte mit der Reifenhaftung. Dieser Pass verlangte uns nochmals alles ab, doch entschädigte uns mit einer traumhaften Abfahrt, über erstklassige „Schotterpisten-Serpentinen“.Mit all diesen Erlebnissen im Kopf und Herz, verliessen wir dann am 26. Juli, Pullover strickend und ein klein wenig wehmütig Island nach 51 wundervollen Tagen.

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